CHANEL NEWS

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SO PRACHTVOLL WIE EIN INDISCHER PALAST
VON OLIVIA DA COSTA

Ein riesiges Bankett, das dem eines prachtvollen indischen Maharadscha-Palastes würdig gewesen wäre, entführt uns gemeinsam mit der Kollektion Paris-Bombay in ein kostbares, faszinierendes und strahlendes Indien. Wie ein poetischer Traum, der sich mit dem ewigen Pariser Herbstnieselregen überworfen hat. Die Gäste werden von äußerst eleganten Bediensteten zu ihren Plätzen an den beiden endlos langen Tafeln begeleitet. Silber, Kristall, üppige Desserts, mit Blattgold patinierte Früchte, ein kleiner Zug aus Metall mit CHANEL-Logo schlängelt sich mitten durch die roséfarbenen Rosenblüten und Jasmincolliers...
Die Mannequins defilieren in perlenbesticktem Tweed, Tuniken aus Seide und Brokat, Saris, Stolen, Schmuck in Hülle und Fülle auf Stirn, Händen, Schultern sowie im Haar. Wie orientalische Amazonen verkörpern sie die außerordentliche Raffinesse dieser Kollektion, die das meisterhafte Können und das umfangreiche Wissen der Kunsthandwerksateliers ehrt.

Photos © Olivia da Costa

www.pleasemagazine.com

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KOLLEKTION MÉTIERS D’ART PARIS-BOMBAY
VON ELISABETH QUIN

Jasminduft liegt in der Luft der Galerie Courbe im Grand Palais. Ungewöhnlich im Dezember. Riesige Kristalllüster sind an den Metallstreben der Deckenkonstruktion aufgehängt. Die alten Ziegelwände sind mit blassgrauem Marmor verkleidet, der wie die Fassade des Palastes eine Großmoguls gestaltet ist. Eine Halluzination der angenehmen Art. Das goldene Licht der Kerzen plätschert über Körbe voller Mangos, Rosen und Pistazien. Ein kleiner silberfarbener, elektrischer Zug dreht unermüdlich seine Runden auf der etwa zehn Meter langen Gleisroute über die fürstlich gedeckte Tafel. Das hatte man westlich von Jaisalmer noch nicht gesehen.

Der Schornstein des mit einem Doppel-C geschmückten Dar(jee)ling Express qualmt. Dieser hinreißende Zug ist eine Allegorie der Präsentation: eine Reise ohne Ortswechsel, jenseits der Zeit in einem imaginären Indien, das im Grand Palais der Maharadschas von Karl Lagerfeld und Chanel nachgebaut wurde, um die Métiers d'Art zu feiern, die dem Haus so wichtig sind. Indien ist wie für Chanel geschaffen. Geradezu eine Selbstverständlichkeit. Coco Chanel hatte übrigens Ende der fünziger und Anfang der sechziger einige Modelle gezeichnet, die indische Kleider zum Vorbild hatten.
Opulente Materialien: Seidenbrokat, Gold- oder Silberlamé, Crêpe, Satin Duchesse, Perlen, Stickereien, von Hand gemalte florale Motive von Großmoguln, Kaskaden von Perlen.

Eine humorvolle Neuinterpretation der traditionellen androgynen Garderobe gepaart mit unendlicher Anmut: Weiße Jodhpurhosen und schmal geschnittene Tweedjacken; die "Salwar", eine enge Pyjamahose, wird unter fließenden Tuniken getragen und die "kameez" sind üppig mit Strass und goldenen Weizenähren auf schwarzem Hintergrund besetzt; Saris und Sarouelhosen werden über kostbare "Salwar" gezogen oder mit Stulpenstiefeln aus weißem tätowiertem Leder oder granatrotem Veloursleder mit Reißverschluss kombiniert. Zahlreiche Sarouelröcke prägen die Kollektion mit diesem sinnlichen charakteristischen Faltenwurf, der absolute Beinfreiheit verleiht. Sehr schön sind auch die mit Srass übersäten Redingotes im Uniformstil, die "Atchkan"-Variationen, die Bokatjacke mit dem legendären Nehru-Kragen, deren Taschen mit kleinen Spiegeln oder barocken Perlen bestickt sind. Wundervoll die Militärjacke, die an die Perfecto erinnert, bestickt mit tausenden von goldenen Pailletten, kombiniert mit einem weißen ausgestellten Rock, der mit goldenen Paspeln besetzt ist und einem herumwirbelnden Derwisch würdig wäre. Ein Gedicht ist der an den Schultern mit Diamenten besetzte Blouson, so intensiv rosa wie das legendäre "Rani Pink", prachtvoll gezähmt von einer zerschnittenen Tweedjacke über einer Goldlamé-Sarouel und einem perfekten Kostüm in Pink und Schwarz. Ein Traum von einem weißem Abendkleid, das mit seiner "dupatta" spielt, dem langen Schleier aus Voile. Die Flüchtige würde der Dichter Rabindranath Tagore sie nennen.

Viele flache Priestersandalen sorgen für eine jugendliche, fließende Silhouette. Außerdem Neo-Rock-Schuhe im "Mojari"-Stil und flache, mit goldenen Pailletten bestickte Stiefeletten, die an das Swinging London erinnern. Eine Mischung aus Handschmuck und Handschuhen aus Silberketten oder Leder sowie Rasta-Punk-Frisuren verleihen der Kollektion eine luxuriöse Seventies-Goa-Hippie-Stimmung, die perfekt zum psychedelischen Sound von Michel Gaubert passt.

Das Finale dieser feengleichen Kollektion, die dem außergewöhlichen Knowhow der Métiers d'Arts gewidmet ist, gipfelt in einer indischen Traumwelt. Ihre ultramoderne Heldin, die gleichzeitig Androgynität und Weiblichkeit ausstrahlt, schöpft ihre Kraft aus der indischen Geschichte und der Spiritualität: Shiva und Shakti, die Männlichkeit und Weiblichkeit repräsentieren, sind vereint und ausgesöhnt. Die Chanel-Frau hat ihr Dharma gefunden.

Foto © Olivier Saillant

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