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GABRIELLE CHANEL UND DEAUVILLE

1913: Die normannische Küste mit ihrem unendlich weiten blau-grauem Himmel und den endlosen Stränden erinnert noch an die Darstellungen Eugène Boudins und der Impressionisten zur Jahrhundertwende... Man badet nicht, oder nur sehr wenig... Man planscht, fischt Krabben. Und die elegante Gesellschaft sitzt am Strand im Schatten ihrer Schirme oder der Zelte aus Tuch in derselben eng geschnürten Kleidung wie in der Stadt. Hier ist sich keiner bewusst, dass längst eine Revolution ausgebrochen ist...

1913 ist das Jahr, in dem Gabrielle Chanel ihr erstes Modegeschäft in Deauville, Rue Gontaut-Biron, eröffnet.

Die junge Frau, die seit 1910 ihr erstes Hutgeschäft „Chanel Modes“ in der Rue Cambon 21 erfolgreich betreibt, profitiert von einem unstreitbaren Ruf, denn sie schmückt bereits die bekanntesten Köpfe der Epoche. Aber in Deauville ist sie die erste, die eine sportliche Mode kreiert, die mit der sich wandelnden Gesellschaft einhergeht. Ein Stil, der den Lauf der Geschichte der Frauen maßgeblich beeinflussen wird.

In diesem eleganten Badeort verkauft sie ihre breitkrempigen Hüte, die nur mit einer schlichten Feder oder einem Band geschmückt sind. Den wohlhabenden Kundinnen bietet sie vor allem sportliche Kleidung an, die auffällt: Es sind Matrosenblusen aus Jersey, zu denen sie die Hemden der Fischer inspirierten... Wieder entlehnt sie ein Element der Männerkleidung, und dann auch noch eines der Arbeitskleidung. Es gelingt ihr, die Frauen von der Bequemlichkeit dieses Stils zu überzeugen, die froh sind, dem Joch der geschnürten und überladenen Belle-Epoque-Silhouette zu entkommen. Es folgen andere Modelle, deren ungezwungene Raffinesse alle anderen vollkommen überholt aussehen lassen: geringelte Badeanzüge, Matrosenhosen, Strandpyjamas, die sie mit Perlen und Kamelien verziert, die lässig an den Gürtel oder das Revers eines Kragens gesteckt sind. In Deauville erstaunen die Kühnheit Gabrielle Chanels und die Eleganz ihrer jungen Tante Adrienne sowie ihrer kleinen Schwester Antoinette, beide in Chanel gekleidet, mindestens ebenso sehr, wie sie verführen. Gabrielle Chanel lässt den Zeitgeist in die Mode einkehren, verleiht ihr Lebendigkeit und Frische, so wie es die Avantgardisten in anderen kreativen Domänen wie der Malerei, Bildhauerei, Literatur, Lyrik und Musik tun.

Françoise Claire Prodhon

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