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Monday, October 8, 2012

PRÊT-À-PORTER FRÜHJAHR-SOMMER 2013
VON ELISABETH QUIN

CHANEL, PAP SOMMER 2013

Mit der im Grand Palais präsentierten Kollektion Frühjahr-Sommer 2013 macht Chanel mehr als einen Modevorschlag: Es ist eher ein Gesellschaftsvorschlag, der am Dienstagmorgen inmitten eines Windparks defilierte!

Leichtigkeit, Natürlichkeit, ausgelassene Jugendlichkeit, Mobilität, Luxus ohne Prahlerei, Empathie für andere, Innovationskraft, eine spielerische Art, um in diesem Herbst 2012 zu sagen: Nieder mit Energie aus fossilen Quellen – und fossiler Mode.

Würde CHANEL die Thesen des amerikanischen Essayisten Jeremy Rifkin, dem Theoretiker der dritten Industrierevolution, annehmen, der für eine CO2-freie Wirtschaft plädiert?

In der Tat sprühen die präsentierten Modelle vor Frische, vor Farbe: Violett für einen Hosenanzug mit ¾-langen Ärmeln mit smaragdgrüner Kante, ein Klein-Blau für ein Kostüm und ein fließendes Kleid, Pink und Mauve für ein Hosen-Kleid-Ensemble aus Satin, Karminrot für einen weiten, halblangen Mantel aus geschmeidigem Leder, Sand für ein Mikro-Bustierkleid aus gewaschenem Lammleder, geeiste Marone für eine strahlende Folge von Abendkleidern, die Steppmuster, Transparenz und fließende Stoffe perfekt vereinen.

Der legendäre Tweed des Hauses, bunt gemischt und eine textile Tour de Force, wird zur farbigen Apotheose und steht einem Kugelkleid-Ensemble mit seiner fuchsiafarben gepaspelten Puffärmeljacke vorzüglich. Er bringt eine ultrabunte und maßlos luxuriöse Version von einem Jacken-Shorts-Ensemble mit bauschigen Ärmeln beinahe zum explodieren, oder besticht an einem weiten kurzen Kleid mit ¾-Ärmeln, das auf Schenkelhöhe mit goldbraunen Pailletten bestickt ist („Ein eigenartiger Gold-Bronze-Ton“ beschreibt Homer in der Odyssee die zum äolischen Reich gehörende Insel Stromboli...). Starke Eindrücke für die Netzhaut liefert dieser Tweed in den unzähligen Nuancen des Sommers.

Weiß. Endlich. Zu finden auf den Claudine-Kragen, die Gabrielle Chanel so liebte, oder den Pierrot-Kragen. Oder in Form von Schleifen, die brave Kinder schmücken, auf Kleidern mit runden Ausschnitten, einem Polokleid aus Tweed und weißer Popeline, wie geschaffen für eine zweite Suzanne Lenglen in Eden Rock. Weiß sind auch die Abendkleider, sie machen den Abend so erfrischend wie ein Sorbet und sind ausgesprochen raffiniert: weiße Bustierkleider, zwei kurze und drei lange, aus Netz oder Piqué, mit Blumen aus Rhodoid oder Perlen-Cabochons bestickt.

Die Silhouette des Sommers 2013 ist lang gestreckt (wunderbar der Einsatz von schwarzem Netz für ein Hosen-Ensemble, äußerst elegant, so graphisch und sinnlich) und flirtet mit der Androgynie, die bis in alle Ewigkeit die DNS der CHANEL-Frau prägt. Der Oberkörper ist schlank, perfekt für die Bustierkleider, die die Grammatik dieser Kollektion beherrschen; für die Miniboleros und Mikrojacken. Bestechend die Symmetrie endlos langer Beine, die von Mikroshorts und Miniröcken noch mehr gestreckt werden. Die Knöchel werden durch Kugel-Kleider betont.

Die Accessoires sind eine Interpretation der Zeitlosigkeit und Modernität von CHANEL: Perlenarmbänder und -colliers, Perlen arrangiert wie Kaviar, riesige Hüte mit Krempen aus transparentem, farbigem Plastik.

Ja, Karl Lagerfeld hat die Silhouette einer Frau gezeichnet und kreiert, die noch jünger, noch ungestümer und raffinierter ist, als der Zephir-Wind, ein weit tragender Wind. Homer ist somit eindeutig richtungweisend für den kommenden Sommer.

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