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CROISIERE 2012/13
VON ELISABETH QUIN

CROSIÈRE 2012/13
VON ELISABETH QUIN
Ein Jungbrunnen für Chanel in Versailles

Mit der Wahl des Bosquet des Trois Fontaines für die Präsentation der Croisière-Kollektion 2012/13, ein Ensemble aus Felsen, Muscheln und Wasserbecken, das der Sonnenkönig1677 höchst persönlich enworfen hat (magischer Monarch, verliebt in Versaille, Kunstfreund, mit allen Talenten ausgestattet, so wie ein gewisser Karl?) und vom Gärtner André Le Nôtre anlegen ließ, setzt Chanel eindeutige Akzente: jung, verspielt, elegant und außergewöhnlich, modern und barock zugleich. Ein trashiger, origineller Wind blies am Montagabend durch die Gärten, begleitet von Cembalo-Klängen und neu gemischtem Elektro-Sound von Micheal Jackson.

Aufstand? Diese Perücken in Dragéefarben oder schwarz wie Jett, kurzgeschnittene, mädchenhafte Ponyfrisuren, oben im Nacken von einem gewisse Guillotin angeschnitten... werden über langen, zusammengebundenen Haaren getragen. Besonders aufrührerisch: die Schönheitsflecken in Form eines Doppel-C im Augenwinkel, der Teint schwindsüchtig und sehr "Twilight". Die jungen Marquisen sind zurück von einem Ausflug in die Buchsbaumlabyrinthe und seufzenden Gärten des Schlosses.

Allerdings explodierte die Revolution, die die Croisière-Silhouette bot, schon bei einem der ersten Modelle: coole "Streetwear de Luxe", Sneaker mit dicken Plateausohlen, ganz klassisch-revoluzzerlike kombiniert mit Krinolinen-Hosenröcken aus Rüschen und Spitze. Nicht minder exaltiert: die Lässigkeit von Bewegungen, Jugendlichkeit und Leichtigkeit der kurzen Hosen, die mit einem Knopf unterm Knie geschlossen werden. Ein Fetisch von Karl Lagerfeld aus weichem Denim, dem goldene Sneaker eine Extraportion Energie verleihen. Überhaupt viel Denim: gold bestickte ärmellose Jacken mit Militär-Alluren, entrückend kostbar. Weiße Tweedjacken sind in den Farben der Kokarde gesäumt: dunkelrot, blau und weiß, eine humorvolle Anspielung an die Revolution, die voll ins Schwarze trifft.

Hinreißend auch die weiten Hosen, die zu Jacken mit 3/4-Ärmeln getragen werden; Weiße, mit Spitze besetzte Blusen mit Puffärmeln ragen unter schmalen Jacke hervor; Miniröcke umspielen die Beine; anmutige, autoritäre Redingoten; die Rockversion einer mit Pailletten bestickten schwarzen Jacke mit Reißverschluss zu einem kurzen Rock, der einer Marquise würdig wäre. Ein goldener, plissierter Rock kombiniert mit einem weißen, taillierten Sweatshirt war ganz einfach unübertrefflich. Inkrustationen und Applikationen aus farbigem Rhodoid auf jungfräulich-weißen Kleidern brachten die Vorliebe von Chanel für die erfolgreiche Verbindung zwischen Esprit des 18. Jahrhunderts und Materialien des 20. Jahrhunderts perfekt auf den Punkt.

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