spring-summer-2012-haute-couture--br---by-elisabeth-quin
spring-summer-2012-haute-couture--br---by-elisabeth-quin

HAUTE COUTURE FRÜHJAHR-SOMMER 2012
VON ELISABETH QUIN

Eine spirituelle Flucht. Eine immobile Liebesreise! Die Haute-Couture Kollektion Frühjahr-Sommer 2012 ist voller Liebe, der Liebe zur Exzellenz, zu den Materialien, zum Spektakel, zum Knowhow der Kunsthandwerksbetriebe, die Chanel treu ergeben sind. Und natürlich die Liebe zum Humor... "Catch me if you can": Dienstag, den 24. Januar im Grand Palais. Im minutiös nachgebauten Passagierraum eines Flugzeugs herrschte die sorglose Stimmung der 60er, der Luftfahrtmythos von Pan Am, gut gelaunte Stewardessen, diese Frische von klaren Linien, eine heitere Eleganz, die wir 2012 herzlich willkommen heißen. Keine Business Class, alle sitzen in der Ersten, das ist Demokratie im Sinne von Chanel!

Während langsam die schönsten Wolken über unsere Köpfe ziehen – ein ernsthafter Verstoß gegen die Normen der Luftfahrt – beginnt die Kollektion mit einer Serie kurzer Tageskleider von schwindelerregender Klarheit mit weichen Kragen, tief angesetzten Taillen, Taschen unterhalb der Hüften. Perfekt für die emblematische Halttung und den Esprit dieser Kollektion: Hände in den Taschen. Die Hände sind von jeglichen Accessoires befreit, der Geist frei von bürgerlichen Zwängen, eine Lässigkeit ganz nach Coco Chanel, Eleganz mit einem Hauch Unverfrorenheit. Und wie es sich zwischen Himmel und Erde gehört, spielt die Kollektion mit allen Blaunuancen, die es gibt. Eine Farbe, die Synonym für die Unendlichkeit ist, aber auch für Opulenz und Königswürde. Schieferblau, Saphir, Lavendel, Türkischblau, Kobalt, Lapislazuli, Mitternachtsblau und Marineblau, und nicht zu vergessen, das von Chanel verehrte Schwarz.

Alle Nuancen werden durch das Spiel mit dem Licht noch prachtvoller: Pailletten und Kristallstickereien, Cabochons, Federn und Strass. Gerne hätte man das über und über mit blassblauen Pailletten – von matt bis schimmernd – besetzte Kleid mit bauschigen Ärmeln, dessen Motive an einen Regenbogen oder Pfauenfedern erinnern, berührt. Oder den langen, blaugrauen, mit irisierenden Fäden besetzten Tweedrock – ein Tweed, der sich durch welchen Zauberspruch auch immer in Spitze verwandelt. Lange schwarze Mantelkleider. Ein schwarzes kurzes Kleid, voller Kühnheit, mit dicht am Hals gesetzten Trägern, die wie der Halsausschnitt eines Gymnastikanzugs aussehen, überrascht mit unbeschreiblich anmutigen, in Form eines Paradiesvogels modellierten, plissierten Ärmeln.

Die perfekte Beherrschung einer Kollektion, die mit der Silhouette der 20er, den graphischen Linien der 60er und der aufmüpfig-punkigen Wut der 80er spielt – letzteres durch die mit Schmuck fixierten, üppigen Crypto-Irokesenfrisuren (sehr weit entfernt von der Ästhetik von "Punk à Chien"). Schimmernde Kamelien, mit Steinen besetzte Monde, leuchtende Federn in einem himmlischen Froufrou. Die über dem Knie mit Sternenkonstellationen bestickten Strümpfe befinden sich jetzt schon im Panthéon der begehrenswerten Objekte dieser Kollektion.

"Eine Wolke zieht durch die Kabine – die von Chanel sind wirklich klasse! Eine wattige Wolke wie ein Abendkleid, dessen klare Linien zu Tränen rühren. Das Défilé ist schon zu Ende und wir richten den Blick nach oben zum Glasdach, das einen sternenklaren Himmel offenbart.
"
"Ein Überschallflugzeug reißt mich mit einem lauten Knall aus meinen Gedanken und hinterlässt seine Initialien am Himmel, leise, perfekt frisiert, weiß, weiß" (Louis Aragon)

Teilen

Der Link wurde kopiert