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Thursday, October 13, 2011

CHANEL MY UNDERWATER LIFE
BY ELISABETH QUIN

Jules Verne? Wes Anderson? Georges Méliès? Twenty Thousand Leagues Under the Sea? Diese atemberaubende Nachbildung des Meeresgrundes, diese makellose weiße Landschaft aus Meeresalgen, Stachelrochen, Haien und Muscheln, wagt sich mit Offenheit und einem eher optimistischen als desolaten Modekonzept an den Traum heran.

Die Zuschauer erwarteten gespannt die verschiedenen Darstellungen des Unterwasserthemas in der gesamten Kollektion, sie ließen sich fesseln von einem extravaganten Traum, waren verzaubert und begaben sich bereits vor Beginn der Show auf eine außergewöhnliche Reise.

Es war ein Meisterwerk: scheinbar schlicht, jedoch niemals fade. Meerjungfrauen in verführerischen Etuikleidern standen nicht auf dem Programm. Stattdessen gab es mehr jugendliche und leichte Silhouetten denn je. Viele lange, spitz zulaufende Ärmel und Beine, knieumspielende Kleider und Röcke, luxuriöse und weite Strickmode, traumhafte weiße Sweater über weiten Röcken, der wahre Ausdruck von Eleganz ohne Überheblichkeit. Wir haben die Mini-Shorts aus beschichtetem Denim, die unter unstrukturierten Jacken getragen wurden, das kleine wie ein Bett aus Seeanemonen bestickte Top, die sinnlich entlang des Kreuzes geschnittenen Jacken und das mit bronzefarbenen Steinchen besetzte Kleid vergöttert. Die Kollektion scheint das schimmernde Licht der Sonne auf den Wellen einzufangen.

Der Tweed schimmert mit Lurex und Perlmuttapplikationen schmücken die Anzüge. Die aufwendige Bearbeitung der Materialien untermauert die Modernität und die Energie der Profile: Rhodoid, Neopren und Kunststoff betonen das Gefühl von Leichtigkeit. Für den perfekten, edlen Look wird eine Bikerjacke mit Silikonriemchen von Sophie Hallette durch sehnige, schwarze Kunststoffbiesen ergänzt. Es scheint, dass zwei Hände in die Meeresgischt abgetaucht wären und eine Jacke zurückgebracht hätten.

Die Kollektion ist von feinsinnigem Humor durchzogen. Das Kleid mit den bestickten Schultern überrascht unterhalb der Taille mit einem Trompe-l'Œil aus spitzenartigen Meeresalgen. Karl Lagerfeld hatte hier mehr Spaß denn je!

Absätze in Form von Korallenästen oder aneinandergereihten Muscheln, Ohrringe und Ringe in Form von Seeigeln, muschelförmige Clutches, rechteckige gesteppte Taschen, die wie gewisse vom Zoll auf See geborgene Packstücke in Ketten gelegt sind… alle Modelle riefen beim Publikum schiere Begeisterung hervor. Die unvergesslichen schwarzen, weißen und silberfarbenen Ankle Boots verliehen den Modellen Bewegung und einen Hauch der Swinging Sixties in London.
Der Abend gestaltete sich luxuriös und jugendlich mit über dem Knöchel endenden Längen, transparentem Volumen, Spitze, Edelsteinen und glitzernder Stickerei; die eine gleichermaßen himmlische wie aquatische Stimmung zauberten.

Die Perle war als ikonisches Motiv aus dem Hause Chanel in ihrem Element! Zu zarten Gürteln auf einigen der kurzen Kleider verbunden, verwandelte sie sich in eine Art Hautstickerei und bildete eine beinahe surrealistische Ausrichtung entlang des Rückens.
Leichtigkeit, Ideenreichtum und Raffinesse einer überaus erfrischenden Kollektion, die mit einem Auftritt der Sängerin Florence Welch im Botticelli-Stil endet, als die Sängerin aus einer gigantischen Muschel auftaucht und in Begleitung eines Harfenspielers performt.

Während ihre markante Stimme das Grand Palais erfüllt, kommen einem die Worte von Paul Valéry in „The Graveyard by the Sea“ in den Sinn:
„A freshness, exhalation of the sea,
Restores my soul . . . Salt-breathing potency!
Let's run at the waves and be hurled back to living!“

Und genauso war diese Kollektion: lebendig!


Foto © Olivier Saillant

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