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Tuesday, October 18, 2011

THE SOUNDTRACK BY MICHEL GAUBERT
“A YEARNING FOR MYTHOLOGY”

Als sie ihren nächsten Song auf der After-Show-Party in kleiner Runde anstimmt, haucht Florence Welch sanft ins Mikro: „Es ist unglaublich: Karl und ich haben uns im Sommer bei einem Fotoshooting kennengelernt. Er erzählte mir von seiner Modenschau im Oktober, seiner Inspiration und der unglaublichen Unterwasser-Kulisse in Weiß und sagte: „Du solltest bei der Show auftreten“. Ich habe es nie für möglich gehalten, dass das tatsächlich passieren würde und habe keinesfalls damit gerechnet, dass ich in einer weißen Muschel stehend vor 2500 Menschen singen würde.“

Rein zufällig ist „What The Water Gave Me“ der Name eines Titels aus dem neuen Album von Florence and the Machine, das Ende Oktober veröffentlicht wird. Für Karl Lagerfeld war dieser Zufall Grund genug, sich gekonnt als moderner Lohengrin in Szene zu setzen und den Ton für den Soundtrack zur Show anzugeben.

Florence trat auf, als sich die abschließenden Modelle auf dem Laufsteg präsentierten. Durch ihre unvergleichliche Stimme bestand kein Anlass, ihrem Auftritt einen weiteren Sänger vorauszuschicken. Ihre Musik war vielmehr als wesentlicher Bestandteil der Kollektion verstanden worden, welche das Konzept einer imaginären Unterwasserwelt vervollkommnen sollte, die mit grafischen Stilen, den Farben des Wassers, mit von Körpern tropfenden Perlen und durch Wet-Look-Frisuren weich gezeichneten Gesichtern von Models aufwartete, die durch eine Unterwasser-Kulisse gleiten, die einem seltsamen, unbekannten Planeten angehören musste.

Obwohl wir wohl nie das echte Lied der Meerjungfrau kennen werden und auch nie wirklich bemüht waren, dieses kennenzulernen, waren die Vorbereitungen zur Show durch ein Verlangen nach Mythologie gekennzeichnet. Demzufolge wurde eine bunt gemischte Auswahl an elektronischen und orchestralen Interpretationen Wagnerscher Werke aufgeführt: Ride of the Valkyries (mit dem Untertitel „Nervous“) in einer Version des Experimentalmusikers Curd Duca sowie in einer eher klassischen Interpretation von Herbert Von Karajan und den Berliner Philharmonikern. Aber das Grand Palais ist keine Konzerthalle. Eine Modenschau benötigt eine gewisse Energie, weshalb ein Album von Gui Borratto, Produzent elektronischer Musik aus Sao Paulo, als rhythmische Untermalung für diese scheinbar unnatürliche Verbindung ausgewählt wurde, die wie eine himmlische Fügung entstand. Ein dynamisches Harfenglissando – auferstanden aus einer alten CD der B-52s! – kündigte den Auftritt von Florence aus einer gigantischen, leuchtenden Muschel, gleich einer echten Loreley an. Ihre Stimme und ihr Haar verzauberten die Zuschauer und verliehen dem Lauf der Models eine beschwingte Leichtigkeit.

Der Soundtrack wurde ausschließlich für die Show im Grand Palais produziert, um den Zauber des Moments zu bewahren.

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