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THE DAY MOBILE ART LANDED
IN THE ARAB WORLD INSTITUTE…
BY ELISABETH QUIN

Ein friedliches, sinnliches Raumschiff. Ein futuristischer Traum. Ein großes, schlummerndes Biest, sanft und strahlend. Der Pavillon der Ausstellung Mobile Art von Zaha Hadid auf dem Platz vor dem Institut der Arabischen Welt (AWI) in Paris mag wie eine Halluzination erscheinen, obgleich seine Präsenz auch sehr beeindruckend und echt wirkt.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Hong Kong, Tokyo und New York im Jahr 2008 hat der herumreisende Ausstellungspavillon, der die Werke zeitgenössischer Künstler unter Anlehnung an die ästhetischen Codes von Chanel beherbergt, nun ein Zuhause gefunden.
Der 2007 konstruierte Pavillon wurde für Chanel von Karl Lagerfeld, einem großen Bewunderer Zaha Hadids Arbeiten, in Auftrag gegeben. „Entwerfen Sie einen Pavillon für mich!“, soll er zu ihr gesagt haben. Alsdann war die (mobile!) Kunst geboren.
Das Ergebnis war eine donutähnliche, mobile Konstruktion mit einem Gewicht von 80 Tonnen, 45 Metern Länge und 700 m² Ausstellungsfläche. Das aerodynamische Aussehen bildet eine Einheit mit der komplexen Technologie.
Auf Wunsch des AWI-Vorsitzenden, Dominique Baudis, spendete Chanel die Ausstellung Mobile Art an das AWI. Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine Spende des Unternehmens, sondern um eine einfache Spende ohne irgendwelche Bedingungen, die Chanel nur aus ihrer Leidenschaft für Kunst leistete.
Um diese dreifache Bereicherung – für die Architektur, die Stadtplanung und die Politik – gebührend zu feiern, veranstaltete das AWI eine Eröffnungsfeier am Abend des 28. April, zu der auch Karl Lagerfeld sowie die beiden mit dem Pritzker-Preis ausgezeichneten „Stararchitekten“ Zaha Hadid und Jean Nouvel kamen.
Mobile Art ist das erste Werk der aus dem Irak stammenden britischen Architektin, das in Paris besichtigt werden kann. Endlich! Ihre Konstruktion auf dem Platz vor dem Institut der Arabischen Welt löst einen spannenden und bewegenden Dialog zwischen zwei Meisterstücken aus: das AWI-Gebäude, das im Jahr 1981 von Jean Nouvel entworfen und 1987 eingeweiht wurde und sich wie ein imposantes, vollkommenes Rechteck mit Mashrabiyas als mächtiges symbolisches Tribut an die arabische architektonische Tradition geschmückt abzeichnet und Mobile Art, das durch seine organischen Formen und „Innenhaut“ Intuition und Konstruktivismus verkörpert.
Diese zwei architektonischen Konzepte basieren auf zwei Prinzipien, einem maskulinen und einem ausgesprochen femininen und einfühlsamen.
Der Dialog hat Gestalt angenommen. Gegensätzliche und sich ergänzende Formen. Magische Osmose. Nach der Eröffnungsausstellung - „Zaha Hadid: An Architecture“ - die den Besucher behutsam an Hadids faszinierende Arbeit zum Thema Parametrismus heranführt, wird Mobile Art ab Oktober 2011 als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst aus der arabischen Welt genutzt
„Wir leben inmitten von Beton und Träumen“, bemerkt Adam Zagajewski, einer der Lyriker, der an der Eröffnungsveranstaltung teilnahm. Der Traum ist genau da draußen auf dem Platz vor dem Institut der Arabischen Welt.

Foto: Delphine Achard

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