Kapitel 1









BIJOUX DE DIAMANTS
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Vor 90 Jahren schuf Gabrielle Chanel die erste Haute Joaillerie Kollektion der Welt, Bijoux de Diamants. Die Kreationen sind von ihrem wichtigsten Designprinzip geprägt: dem Körper der Frau Bewegungsfreiheit schenken und ihre Schönheit zu unterstreichen.
Kapitel 1 AUCH WENN DIE WELT STEHEN BLEIBT, KANN NICHTS DEN LAUF DES HIMMELS STOPPEN

AN ZEICHEN GLAUBEN
„Nichts lässt die Krise besser vergessen, als den Blick auf schöne, neue Dinge zu richten, die in unseren Kunsthandwerksateliers kreiert werden.“
1932. Drei Jahre zuvor kam das Leben am Schwarzen Dienstag zum Stillstand, dem Tag, an dem die Welt in der Wirtschaftskrise versankt und sich die Lebensfreude der 20er-Jahre in Kummer und Leid verwandelte. Es waren düstere, trostlose Zeiten, geprägt von Inflation, abnehmendem Konsum und schwindelerregend hoher Arbeitslosigkeit. Und genau aus diesem Grund war 1932 der perfekte Moment für Hoffnung und Erneuerung. Ohne Licht gibt es keinen Schatten, und zu Beginn des Jahres 1932 ereigneten sich mehrere spektakuläre Vorkommnisse, als wäre die Krise mit einem Zauber belegt. Elwyn Dirats und Jacques Auxenfants eröffneten den Hot Club de France, und überall waren die schwungvollen Klänge des Jazz zu hören. In der wunderschönen Opéra Garnier wurde Un Jardin sur l’Oronte unter der Regie von Philippe Gaubert uraufgeführt. Rund 200.000 Menschen wohnten dem lang ersehnten Stapellauf des Passagierschiffs SS Normandie bei. Und im November hatte die London Diamond Corporation Limited eine glänzende Idee, um ihre Position auf dem Diamantmarkt zu erneuern ...

CHANEL UND DIE HIMMELSKÖRPER
„Meine Sterne! Wie könnte man etwas Passenderes und auf so zeitlose Weise Modernes finden?“
Es wird angenommen, dass Gabrielle Chanel ihre entschiedene Strenge und ihre Neigung zu makelloser Reinheit während ihrer Kindheit im Kloster Aubazine entwickelte. Wenn es um Inspiration ging, war die in das Sonnenlicht des Départements Corrèze getauchte Zisterzienserabtei eine nie versiegende Energiequelle. So wie diese Himmelskarte, ein Wappen, eingelassen in diesen so oft betretenen Steinboden, in dem Sonne, Mond und Sterne einander begegnen ... Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen – ist das der beste Weg zu den Sternen? Obwohl Mademoiselle stets von der magisch anmutenden Kraft der Symbole überzeugt war, begann sie erst nach der Begegnung mit Boy Chapel – einem Mann, der Freude daran hatte, das Leben in eine überwältigende Erfahrung zu verwandeln –, an Zeichen zu glauben.

BIJOUX DE DIAMANTS, DIE ERSTE HAUTE JOAILLERIE KOLLEKTION DER WELT
„Ich habe den Diamanten gewählt, weil er aufgrund seiner Dichte den größten Wert für die kleinste Größe repräsentiert.“
Die Kreation von Bijoux de Diamants folgte einer sehr persönlichen Syntax, die darin bestand, neue Ideen zu entwickeln und die Prinzipien der Haute Couture auf die Haute Joaillerie anzuwenden. 1932 kreierte Mademoiselle die erste Haute Joaillerie Kollektion der Geschichte, basierend auf nur einem Thema und als Gesamtkollektion an einem Ort präsentiert. Das war das genaue Gegenteil der Art und Weise, wie die Juweliere der damaligen Zeit arbeiteten.





„Ich wähle die Motive aus, die den Glanz von Diamanten am besten zur Geltung bringen – den Stern, das Kreuz, der Größe nach herabfallende Steine und große Cabochons, in denen die Sonne erstrahlt.“
Viel mehr als der Name vermuten lässt, war Bijoux de Diamants eine außergewöhnlich faszinierende Kollektion. Gabrielle Chanel entwarf geschätzte 50 Kreationen mit weißen und gelben Diamanten, gefasst in Platin und Gelbgold, die bei Tag und Nacht getragen werden konnten und wie unglaubliche Lichtstrahlen wirkten. 22 der identifizierten Schmuckstücke zeichneten eine Himmelskarte mit Sternen, Kometen, Monden und Sonnen nach. Mademoiselle entwarf auch 17 optische Täuschungen, die geschmeidige Bänder, tanzende Fransen und leichte Federn darstellten, sowie acht Kreationen, die die grafische Reinheit von Spiralen, Kreisen, Quadraten und Kreuzen erkundeten. Eine umfangreiche Kollektion, die im Laufe der Jahrhunderte nach und nach ihre Geheimnisse preisgeben wird. Trotz Aussagen, die die Existenz monumentaler Broschen in Form der Zahlen 3, 5 und 7 bestätigen, fehlt von diesen Kreationen bis heute jede Spur. 2012 wurde ein Dokumentarfilm entdeckt, der in den 1930er-Jahren von Pathé Gaumont gedreht und in allen französischen Kinos während der Kinowochenschau, dem Vorläufer der französischen Nachrichtensendung Journal Télévisé, gezeigt wurde. Dieser Kurzfilm zeigt eine bedeutende Auswahl an Juwelen, die in Gabrielle Chanels Wohnung in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nr. 29 gefilmt wurden.

„Ich möchte, dass sich der Schmuck wie ein Band an den Finger einer Frau schmiegt. Meine Bänder sind geschmeidig und lassen sich abnehmen.“
Einzeln, im Dreiklang oder als Myriade ... Eine Fülle von Sternen und flammenden Sonnen umschwärmt den Körper auf Mänteln und Korsetts oder schmiegt sich um die Taille. Meteore und Kometen schmücken Ohren, wickeln sich um Handgelenke oder den Hals, ohne sie jemals einzuschließen. Hier bringt ein einfacher Atemzug den Großen Wagen über dem Solarplexus zum Funkeln. Eine Vielfalt an Steinen, Schleifen, Federn und Fransen verleiht einem Look, einer Frisur, einem Schlüsselbein oder einer Hand Geschmeidigkeit.

RADIKALER SCHMUCK, REVOLUTIONÄRE LOOKS
„Mein Schmuck ist nie getrennt von der Vorstellung einer Frau und ihres Kleides gedacht. Er lässt sich verwandeln, weil sich meine Kleider verändern.“
Mademoiselle wandte bei ihrem Schmuck die gleichen modernen Prinzipien an, denen sie auch als Modeschöpferin treu war. Ihre Vision von Schmuck betrachtete ihn als eine neue Idee, eine Möglichkeit, eine einzigartige Beziehung zum Körper herzustellen. Bijoux de Diamants war die erste Haute Joaillerie Kollektion der Geschichte, aber in erster Linie eine Kollektion für Damen. Frauen, die in der Welt und ihrem Leben fest verwurzelt waren, mit einer Weiblichkeit, die sich in stetiger Bewegung befand. Für sie entwarf Mademoiselle Kreationen ohne Verschlüsse, die dem Körper Bewegungsfreiheit schenkten.





„Ich verachte Verschlüsse! Ich verwende sie nicht mehr! Dennoch lässt sich mein Schmuck noch immer verwandeln.“
Als sie die Kollektion Bijoux de Diamants schuf, entschied sich Mademoiselle für Freiheit. Die Freiheit der Frau, ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen zu leben. Sich frei zu bewegen. Kreationen zu tragen, die ihre Individualität betonten, anstatt selbst von überwältigenden, aber leblosen Diamanten getragen zu werden. Frauen konnten eine Feder mit einem Halbmond kombinieren, ein Kleid oder die Frisur um Fransen oder eine Schleife ergänzen, Tag und Nacht verschmelzen lassen, indem sie Sonne, Mond und Sterne zusammen trugen, und ein Collier in drei Armbänder oder sogar Broschen verwandeln. Die Kollektion bot unendlich viele Möglichkeiten, wie man es an keinem Ort der Welt je zuvor gesehen hatte, einen Erfindergeist, der von der Presse in den höchsten Tönen gelobt wurde. Weil die Kreationen sich verwandeln und frei am Körper tragen ließen, um einem Look zu definieren, sollte die Kollektion Bijoux de Diamants nie aus der Mode kommen. Sie wurde zeitlos.
Ein Funkeln aus 8 Milliarden Funken, ausgehend von 93 Steinen ... Weil etwas Neues, etwas Reales oft der beste Katalysator für Gerüchte ist, fütterte die Presse ihre Leserschaft mit immensen Zahlen, eine Extravaganz, die das Geheimnisvolle, das die Kollektion umgab, mit jedem Tag verstärkte. Und sie sollte auch Ressentiments schüren. Eine Modedesignerin anstatt eines Juweliers zu beauftragen, glich einer Beleidigung. Eine Schneiderin! Die Wahl der Diamond Corporation Limited versetzte die Place Vendôme augenblicklich in Aufregung, und Bijoux de Diamants wurde zur „Chanel-Affäre“. Die gesamte Industrie schloss sich zusammen, um Gabrielle Chanel daran zu hindern, Schmuck zu entwerfen.
Kapitel 2
Kapitel 2 IM HERZEN VON BIJOUX DE DIAMANTS: KÜHNHEIT ODER DIE KUNST, EINE FRAU VOLLER STRAHLKRAFT ZU SEIN
Ein besonderer Dank gilt dem Comité Jean Cocteau



